Lämmer

Mulesing, kbt und was man sonst noch wissen sollte.

18.02.2021

Das Thema mulesing ist sehr umstritten und ich möchte gerne versuchen euch hier einen kleinen Überblick über die wichtigsten Fakten zu geben.

Kleidung und Meterware aus Wolle findet man inzwischen häufig am Markt. Manchmal kann es ganz schön verwirrend sein, sich mit den zahlreichen Abkürzungen, Bezeichnungen, Qualitäten und auch Preisen zurechtzufinden.


Fangen wir einmal ganz vorne im Herstellungsprozess an: Bei den Schafen und ihrer Haltung.


Zwei verschiedene Wollarten werden zu meinen natürlich schönen Stoffen verstrickt: Wunderbar weiche Merinowolle und ihre robustere Schwester vom deutschen Schaf.


Bei der Merinowolle wird ausschließlich mulesingfreie und kbT-zertifizierte Wolle eingesetzt. Doch was bedeutet das eigentlich?


In Australien und Neuseeland, wo ein Großteil der international verarbeiteten Merinowolle herkommt, ist neben Millionen von Merinoschafen auch eine Fliegenart zu Hause, deren Larven diese Schafe befallen und schwere Infektionen verursachen: die Schaf-Schmeißfliege Lucilia cuprina. Um dem daraus resultierenden Verlust ihrer gewinnbringenden Tiere entgegen zu wirken, wenden viele Schafzüchter*innen das Mulesing an, das den Befall verhindern soll.


Hierbei wird jungen Lämmern Haut rund um den Schwanz entfernt – ohne Betäubung. Dadurch entsteht eine glatte Oberfläche, die den Fliegen keinen Nistplatz mehr bietet. Dies scheint das aus wirtschaftlicher Sicht schnellste und naheliegendste Verfahren zu sein, lässt allerdings das Tierwohl während der Behandlung außer Acht. Zudem heilen die Wunden oftmals nicht so gut und weiteres Leid wird ausgelöst.


Ich möchte dieses Vorgehen nicht unterstützen und beziehe deshalb Merinowolle aus Südamerika, wo die entsprechenden Fliegen nicht existieren und Mulesing deshalb nicht nötig ist.

Dies wird auch durch die kbT-Zertifizierung unserer Garne garantiert. KbT steht für kontrolliert biologische Tierhaltung. Die Voraussetzung für diese Auszeichnung im Bereich der Schafzucht ist nicht nur der Verzicht auf Mulesing, sondern auch eine artgerechte Haltung, die Fütterung ohne gentechnisch veränderte Futtermittel, eine natürliche Fortpflanzung der Tiere und der Verzicht auf Pestizide und Insektizide.


Unsere deutsche Schafwolle stammt von den robusten Rassen Pommersches Wollschaf und Coburger Fuchsschaf. Deutsche Schafwolle wird eher selten für Bekleidung oder Meterware verwendet und stattdessen entsorgt, weil sie etwas kratziger ist als die kuschelige Merinowolle. Sie hält aber mindestens genau so warm. Mit der Verwendung dieses regionalen Produktes möchte ich die heimische Landwirtschaft unterstützen, für einen geringeren Transportaufwand sorgen und einen Teil dazu beitragen, dass weniger dieses wertvollen Naturmaterials weg geworfen wird.

Ich finden, die deutsche Schafwolle eignet sich wunderbar für Outdoorbekleidung, warme Decken und wollige Accessoires. Und die natürlichen besonderen Farbtöne liebe ich sowieso!