Färben mit Pflanzenpigmenten

Vor einiger Zeit habe ich selbst angefangen Stoffe mit Hilfe von Pflanzen zu färben. Ich habe Rotkohl ausgekocht und Rote Beete. Die Farben, die dabei an dem von mir verwendeten naturbelassen Wolljersey entstanden, sind wunderschön.


Natürlich dauert dieser Prozess recht lange und die Menge der zu färbenden Stoffe in meiner eigenen Küche ist begrenzt. Deshalb habe ich mich auf die Suche gemacht. Ich habe eine wunderbare Färberei in Familienbesitz gefunden, die mit Hilfe von pflanzlichen Pigmenten Garne und Stoffe färbt.


Doch was ist nun so besonders an Pflanzenfarben?


Das menschliche Auge empfindet Pflanzenfarben als sehr harmonisch. In einem pflanzlichen Farbton liegen immer mehrere verschiedenen Pigmente vor, während künstlich hergestellte Farben isolierte, also genau gleiche, Farbpigmente enthalten. Durch Licht wirken Pflanzenfarben lebendig und dynamisch.

Durch die unterschiedlichen Pigmente in einem Farbton können die verschiedenen Farben untereinander kombiniert werden.


Der Umweltaspekt ist auch nicht zu unterschätzen.

Die Pigmente werden aus Pflanzen gewonnen und sind somit ein nachwachsender, kompostierfähiger Rohstoff, während chemisch hergestellte Farben nicht biologisch abbaubar sind. Man hört immer wieder von verschmutzten Flüssen in Asien, welche Folge der Abfälle von Textilfärbereien sind. Verseucht durch Schwermetalle und andere Chemikalien, die zur Fixierung der Farben auf den Textilien verwendet werden.

Die Färbung mit Pflanzenpigmenten verspricht also eine geringe Umweltbelastung und damit auch eine geringe Belastung des gefärbten Stoffes.

Auch wenn ich damit wahrscheinlich nur einen kleinen Beitrag leiste – ich finde es beruhigend zu wissen, dass in meinen Stoffen keine Schwermetalle oder ähnliches vorhanden sind und habe einfach ein besseres Gefühl, wenn meine Kinder und ich diese Stoffe auf der Haut tragen.


Aber wie funktioniert nun die Färbung mit Pflanzenpigmenten?


Zu Beginn müssen aus den bekannten Färberpflanzen wie z.B. Indigo, Krapp, Reseda, Blauholz und Rotholz die Farbpigmente gewonnen werden.

Diese werden dem Färbevorgang schonend zugeführt und verbinden sich mit den Wollgarnen.


Um die Farbe zu fixieren, Farbnuancen zu erstellen oder Echtheiten zu optimieren werden die Garne mit Eisensulfat, Alaun, Kaliumaluminiumsulfat, Soda und/oder Weinstein vor- und/oder nachgebeizt. 


Die gefärbten Garne sind licht- und waschecht. Dies wird durch verschiedene Tests und der jahrelangen Erfahrung der Färberei bestätigt.


Das heißt also, dass es zu schaffen ist, ein natürliches Produkt wie Schafwolle mit Pflanzenpigmenten zu färben. Lasst uns die Welt ein bisschen besser machen. Mit natürlich gefärbten Stoffen.

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